„CHANCEN DIE IN DATEN LIEGEN ALS GESELLSCHAFT NUTZEN“

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Die Datenstrategie der Bundesregierung – erste Einschätzungen für Unternehmen

Wenn die Bundesregierung eine Datenstrategie verabschiedet, zeigt das natürlich, dass auch auf höchster politischer Ebene der Wert der Daten anerkannt wird. Ganz klar ersichtlich wurde dies im Rahmen der Bundespressekonferenz zur Datenstrategie am 27. Januar 2021 (Bundesregierung beschließt Datenstrategie). Dort verwies Bundeskanzleramtsminister Dr. Helge Braun u.a. auf eine Untersuchung des BDI, die ein Wertschöpfungspotential der Datenökonomie in Deutschland von 425 Mrd. Euro sieht. Allerdings blieben bisher 90% dieses Potentials ungenutzt liegen. Es sei auch eine Aufgabe der Wirtschaft, dieses Potential besser zu erschließen, betonte Dr. Helge Braun

Ein Grund dieses Mangels sei die fehlende Kompetenz, den inhärenten Wert der Daten zu erkennen und auszuschöpfen. Kurz. Den Unternehmen mangelt es an Datenkompetenz bzw. „Data Literacy“. Gleichzeitig gibt es ein wachsendes Bewusstsein für den Wert von Daten. Unterm Strich sind viele Unternehmen (und auch die Gesellschaft insgesamt), zu protektiv und zurückhaltend, um das Potential der Daten zu nutzen.

Vor diesem Hintergrund ist das Strategiepapier der Bundesregierung wichtig, denn es bringt das Thema der besseren Wertschöpfung von Daten wieder auf die Agenda der Unternehmen und der Gesellschaft. Das Papier zur Datenstrategie fasst auf 120 Seiten eine Vielzahl von Maßnahmen und Zielen zusammen, um die Datennutzung zu fördern. Die ca. 240 Maßnahmen gliedern sich in vier Handlungsfelder.

  • Dateninfrastrukturen leistungsfähig und nachhaltig ausgestalten
    Neben Infrastrukturmaßnahmen wie dem Netzausbau geht es hier auch um die Rolle von Cloud-Plattformen, insbesondere dem Projekt GAIA-X. Aber auch die Förderung innovativer Datenverteil- und Datennutzungsgeschäftsmodelle sowie der Forschung in diesem Bereich wird behandelt.
  • Innovative und verantwortungsvolle Datennutzung steigern
    Hier fokussiert das Papier darauf, die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen oder wo erforderlich auszubauen. Das soll die Sicherheit und das Vertrauen erhöhen, gleichzeitig aber auch Unternehmen Investitionssicherheit und IP-Schutz geben. Ein weiterer Schwerpunkt ist hier der Bereich der nicht-personenbezogenen Daten und deren gemeinsame Nutzung, zum Beispiel in Forschungsnetzwerken. Hier gibt es aber auch das Ziel innovativer, neuer Kollaborationsformen um Daten nutzen und auch verwerten zu können. Themen wie „öffentlicher Datenräume“ aber auch „Datentreuhänder“ werden genannt.
  • Datenkompetenz erhöhen und Datenkultur etablieren
    Die wichtigsten Grundlagen sind Datenkompetenz und Datenkultur. Ziel der Bundesregierung ist es, die Datenkompetenz in der breiten Bevölkerung, der Wirtschaft und Wissenschaft deutlich zu erhöhen. Neben dem Bereich Bildung, soll aber auch die Wirtschaft in der Datenkompetenz gefördert werden. Unter dem Titel „Go-Data“ sollen insbesondere KMUs im Rahmen der Mittelstandsförderung in ihrer Datenökonomie, ihrer Datenkompetenz und dem Aufbau datenbasierter Geschäftsmodelle unterstützt werden. Ebenfalls soll eine öffentlich verfügbare „Toolbox“ zur Unterstützung der Datenkompetenz entwickelt werden.
  • Den Staat zum Vorreiter machen
    Neben der digitalen Infrastruktur und der Digitalisierung soll das Thema Daten auch durch den Ausbau entsprechender Datenkompetenz im öffentlichen Bereich unterstützt werden. U.a. ist es Ziel, in jedem Ministeriumsbereich entsprechende Stellen mit Data Scientists zu besetzen.

Die Initiative der Bundesregierung ist für Unternehmen zunächst einmal vorteilhaft: Mehr Rechtssicherheit, Ausbau der Datenkompetenz, sinnvolle Einordnung der Themen Datennutzung und Datensicherheit, Förderung innovativer Geschäftsmodelle sowie Aufbau gemeinsamer Datenräume und von Datentreuhänder bieten der deutschen Wirtschaft viele Vorteile.

Aber das Strategiepapier erhöht auch den Handlungsdruck. All diese Maßnahmen können nur dann sinnvoll genutzt werden, wenn man als Unternehmen sich seiner eigenen Daten, seiner Datenstrategie und seiner Datenkompetenz bewusst ist. Dabei ist das Data Value Management eine ganzheitliche Aufgabe des Unternehmens, genauso wie das Brand Value Management nicht allein vom Marketing betrieben werden kann. Gleichzeitig wird durch die Verbreiterung des Datenbewusstseins mehr Wettbewerb und eine höhere Erwartungshaltung bei Kunden, Partnern und Mitarbeitern entstehen.

Mit unseren Workshops im Bereich Data Value Thinking – Balgheim Blog (balgheimconsult.com) haben wir bereits Erfahrungen, wie die Themen innerhalb der Unternehmen eingeordnet und weiterentwickelt werden können. Wir bieten so sehr gute Voraussetzungen, die Datenstrategie in den Unternehmen auszubauen und die Datenkompetenz zu erhöhen.

Gleichzeitig freuen wir uns, dass wir mit unserem Netzwerk DataValueThinking bereits an den Themen Datenkompetenz und Datenkultur arbeiten und sehen die Datenstrategie der Bundesregierung auch als Bestätigung für unsere Initiative.

Auch die gerade in Vorbereitung stehende Studie „The Data Value Gap“ befasst sich mit der Frage, wo Unternehmen in ihrer Datennutzung und Datenkompetenz stehen. Hier unterstützen wir das Analystenhaus PAC bei der Erstellung und Auswertung der Umfrage. Hier finden Sie mehr Informationen zur Umfrage: Exploring the data gap – a guide to leveraging the value of data | PAC – a teknowlogy company (sitsi.com)

Meine erste Einschätzung

Erstmal ist es gut, dass die Bundesregierung sich dem Thema widmet. Das Strategiepapier lenkt die Aufmerksamkeit auf ein zentrales Thema der Zukunft, bei dem es in Deutschland erkennbar einige Herausforderungen in der Umsetzung gibt. Auch die Bedeutung der Themen Datenkompetenz als Grundlage zur Wertschöpfung mit Daten sowie die Balance von Sicherheitsbedürfnis und sinnvoller Nutzung werden ausreichend gewürdigt. Von daher finde ich es einen richtigen und guten Ansatz.

Von der Positionierung in der öffentlichen Wahrnehmung und der Umsetzung im täglichen, politischen und wirtschaftlichen Alltag, wird es auf den Kontext ankommen. Dabei sehe ich 3 Herausforderungen:

  1. Daten, Digitalisierung und auch Unternehmen agieren immer globaler und ohne Grenzen. Was nützt uns eine ausbalancierte gesetzliche, aber lokale Regelung in diesem Umfeld? Hier müssen Themen wie Datenkompetenz und -bewusstsein anknüpfen, um die Unterschiede deutlich zu machen. Gleichzeitig müssen wir realistisch sein, was das internationale Umfeld bedeutet. Wenn die Nutzung von Daten eben auch Austausch von Daten bedeutet, wie im Strategiepapier richtig beschrieben wird, dann kann der Austausch nicht an der deutschen Grenze enden.
  2. Die Nutzung von Daten bedeutet nicht allein die Analyse von Daten. Datennutzung, Data Value, bedeutet die ganzheitliche Betrachtung von Entstehung, Verarbeitung, Anreicherung, Analyse der Daten bis hin zur Nutzung in Prozessen, Aktivitäten und Produkten. Auch wenn das in der Strategie angedeutet wird, geht man bei den Maßnahmen anscheinend fokussiert auf die Analyse, zum Beispiel in der Betonung der Data Scientists für die Ministerien.
  3. Neuen Technologien, Ansätzen und der veränderten Rolle von Daten muss man mit neuen Technologien und Ansätzen begegnen. Den Aufbau eines Datentreuhänders stehe ich skeptisch gegenüber. Hier würde ich die Verwendung neuer Technologien wie Datasharing-Plattformen und auch Blockchains, um Nachverfolgung, Sharing etc. zu gewährleisten, eher begrüßen. Wenn bei der Einführung der Corona App noch nicht mal dem Staat bzw. dessen öffentlicher Einrichtung, dem RKI, eine zentrale Speicherung der anonymisierten Daten zugetraut wurde, wer soll dann dieser Datentreuhänder sein?

Zusammenfassend begrüße ich die Datenstrategie und ihre Elemente. Es gibt einzelne Themen, die noch auszubauen und zu hinterfragen sind, aber das ist gut. Denn es zeigt, dass es zumindest eine Grundlage und Aktivitäten gibt. Die größte Herausforderung wird aber die Umsetzung sein. Datenkompetenz und Aufbau der Datenkultur ist ein dauerhafter Prozess. Um die Datenkompetenz zu erhöhen braucht es aber auch Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit für ein komplexes Thema. Schon die Resonanz auf die Bekanntgabe der Datenstrategie zeigt, wie groß die Herausforderung ist. In vielen Medien ist eine verkürzte und aus dem Kontext genommene Aussage von Staatsministerin Dorothee Bär zu Clubhouse als einziges von der Bekanntgabe der Datenstrategie hängen geblieben.

Welche Herausforderungen sehen Sie, um das Potential der Daten nutzen zu können? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.